Geschichte der Bretagne
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Eine Bretagne-Reise ist auch eine Reise durch die Geschichte der Bretagne. Die wichtigsten Berührungspunkte mit dieser Geschichte sollen hier kurz und bündig dargestellt werden, ergänzt durch Verweise zu Hintergrundinformationen und andere für die Bretagne-Geschichte aussagekräftige Seiten.
Abwanderung, Künstler und Touristen
Eine weitere Revolution wird durch die Erfindung der Dampfmaschine eingeläutet. Mit ihr steht nach technischen Verbesserungen besonders durch James Watt (1769) oder Richard Trevithick (um 1800) eine Kraftquelle zur Verfügung, welche ungeahnte Nutzungen ermöglicht. Beginnend im 18. und verstärkt im 19. Jahrhundert bewirkt diese industrielle Revolution zunächst in Europa und den USA den Übergang von einer Agrar- zu einer Industriegesellschaft. In den entstehenden Fabriken finden völlig neue Produktionsprozesse statt, Dampflokomotiven und Dampfschiffe ermöglichen den schnellen und zuverlässigen Transport der Industriegüter.
Am Ende des 18. Jahrhunderts ist Frankreich noch die führende Wirtschaftsmacht Europas, und auch die Bretagne hat besonders mit ihren Leinwebereien und ihrem Seehandel daran Anteil. Im 19. Jahrhundert jedoch verläuft die Industrialisierung in Frankreich langsamer als bei den Nachbarn England und Deutschland, und die Bretagne wird davon kaum erfasst. Sie bleibt ein Agrarland, der technische Fortschritt findet andernorts statt und die Leinwebereien und die Handelsschifffahrt geraten ins Hintertreffen. Massenhaft wandern die Bretonen aus ihrer von Hungersnöten geplagten Heimat in die Industriezentren im Norden von Frankreich ab, beispielsweise ins seit 1847 durch eine Eisenbahnlinie mit Paris verbundene Le Havre in der Normandie (das Viadukt in Morlaix auf der Eisenbahnstrecke Paris-Brest durch die Nord-Bretagne wird erst 1863 eröffnet).

John Singer Sargent - Austernsammlerinnen
in Cancale (1877), Quelle: Wikimedia Commons
Die Situation der Bevölkerung der Bretagne in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und am Anfang des 20. Jahrhunderts verdeutlicht das Beispiel der Island-Fischer aus der Hafenstadt Paimpol, deren Schicksal der "bretonische Barde" Théodore Botrel eindrücklich in seinen Lieder besungen hat. Und im Bretagne-Tipp kann man auch einen Eindruck davon erhaschen, wie sich um ca. 1900 das ländliche Wohnen in der Bretagne gestaltet und warum in dieser Zeit die Austern-Karawanen losziehen. Künstler wie Monet und besonders Gauguin entdecken die Reize der wilden Bretagne (und auch für Künstler wie Pablo Picasso, Max Ernst oder Marc Chagall wird die Bretagne zu einer Inspirationsquelle). Romantiker würdigen die stimmungsreichen Landschaften und mystischen Orte wie die verfallene Abbaye de Beauport. Die Bretagne zieht in dieser Zeit auch den Tourismus an, und beispielsweise Dinard entwickelt sich zu einem mondänen Seebad - dem "Nizza des Nordens" (die friedliche Invasion der Engländer hält in der Bretagne bis in die heutigen Tage an).
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