Geschichte der Bretagne

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Eine Bretagne-Reise ist auch eine Reise durch die Geschichte der Bretagne. Die wichtigsten Berührungspunkte mit dieser Geschichte sollen hier kurz und bündig dargestellt werden, ergänzt durch Verweise zu Hintergrundinformationen und andere für die Bretagne-Geschichte aussagekräftige Seiten.

Anne de Bretagne

Gegen Ende des 5. Jahrhunderts ist die Bretagne ein Königreich (zumindest ein Teil der Bretagne, die Cornouaille im Finistère), wird dann wieder dem Frankenreich einverleibt (ab 799 unter Karl dem Großen), und danach ein unabhängiges Herzogtum (845) und Königreich (851). Im 9./10. Jahrhundert überfallen und plündern Wikinger häufig die Bretagne und tragen durch ihre Zerstörungen von Bauwerken und Dokumenten mit dazu bei, dass man über diese Zeit des finsteren Mittelalters nicht viel weiß (vgl. auch Architektur in der Bretagne). 952 stirbt der letzte bretonische König, verschiedene Herzöge herrschen über ein zersplittertes Land, England und Frankreich mischen sich ein, im 14. Jh. gibt es einen Erbfolgekrieg, und danach dann mächtige, vom französischen König anerkannte Herzöge.

Geschichte der Bretagne: Anne de Bretagne (1477 - 1514) erhält ein Buch.
Bretagne-Geschichte: Anne erhält ein Buch über berühmte Frauen. Miniatur (Ausschnitt), dem französischen Hofmaler Jean Bourdichon (1457-1521) zugeschrieben, um 1508 entstanden. Musée Dobrée, Nantes, Frankreich (Quelle: Wikimedia commons).

1488 erhebt sich der damalige Herzog der Bretagne gegen Frankreich, wird besiegt und muss sich verpflichten, dass seine Tochter Anne nicht ohne Einwilligung des französischen Königs verheiratet werden darf. Als der Herzog kurz darauf stirbt, wird Anne 1489 mit zwölf Jahren Herzogin der Bretagne und im Jahr darauf mit dem damaligen Erzherzog von Österreich und späteren Kaiser Maximilian I. von Habsburg verheiratet (ohne Maximilians Anwesenheit, von 1490 bis 1491 ist sie aber deshalb Erzherzogin von Österreich). Dies veranlasst den französischen König Karl VIII. in die Bretagne einzumarschieren. Er annulliert die nicht vollzogene Ehe und zwingt Anne, ihn zu heiraten. Nun ist sie von 1492 bis 1498 Königin von Frankreich, und als ihr Gatte stirbt, muss sie 1499 den nachfolgenden französischen König Ludwig XII. heiraten (zur Bedingung macht sie ein souveränes Herzogtum Bretagne). Sie ist weitere 15 Jahre Königin von Frankreich - und auch Königin von Sizilien, Apulien, Kalabrien und Neapel, Königin von Jerusalem und Herzogin von Mailand. Nach ihrem Tode 1514 bleibt die Bretagne bis 1532 Herzogtum und wird in diesem Jahr als autonome Provinz mit Frankreich vereinigt. Heute trägt beispielsweise das allerdings "erst" 1664 gebaute "Maison de la Duchesse Anne" in Landerneau den Namen der Herzogin, und das "Maison de Reine Anne" in Morlaix erinnert an einen Aufenthaltsort der Königin in der Bretagne.

Zeiten des Wohlstands

Die Vereinigung mit Frankreich - wie eine EU im Kleinen - beschert der Küstenregion der Bretagne im 16. und 17. Jahrhundert ein goldenes Zeitalter. Die oberste Rechtssprechung und die Festlegung der Steuern bleibt in bretonischer Hand, die Küstenstädte profitieren von der Handelsschifffahrt und der Tuchhandel floriert (vgl. Laternenhäuser Morlaix). So wetteifern verschiedene wohlhabende Gemeinden der Nordbretagne mit den in dieser Zeit entstandenen umfriedeten Pfarrbezirken als in Religion kanalisierte Prachtanlagen. Auch das wohl schönste Renaissance-Schloss der Bretagne "Château de Kerjean" entsteht in dieser Zeit (vgl. Burgen und Schlösser der Bretagne). Und auch Locronan als einer der malerischsten und auch heute noch am vollständigsten erhaltenen historischen Orte der Bretagne entsteht als Folge dieser wirtschaftlichen Blütezeit.

Unter dem beginnenden Absolutismus unter Ludwig XIII., der in Frankreich 1617 die Macht übernimmt und darin von Kardinal Richelieu tatkräftig unterstützt wird, nehmen die Spannungen zwischen Paris und der Bretagne zu, und der 1643 auf den Thron steigende Sonnenkönig Ludwig XIV. setzt 1675 die Steuerhoheit der Bretagne außer Kraft - er braucht viel Geld. Dies löst in Teilen der Bretagne eine massive Revolte aus (vgl. "Blumenkohl-Krieg"), die aber blutig niedergeschlagen wird. Bis zur Französischen Revolution 1789 entwickelt sich die Bretagne zur wichtigsten französischen Seeprovinz. Nicht nur Seehandel und Fischfang tragen dazu bei, sondern auch Schmuggel und Korsarentum, welches an der Nordküste der Bretagne Städte wie Roscoff und St-Malo reich macht, während das Argoat (das bretonische Hinterland) wieder nicht davon profitiert.

Die Französische Revolution

Der Nationalfeiertag der Franzosen erinnert daran, Feuerwerke finden am Feiertag und dessen Vorabend an unzähligen Orten natürlich auch in der Bretagne statt (und nicht etwa zu Silvester, vgl. Veranstaltungen im Bretagne-Urlaub): Am 14. Juli 1789 wird in Paris die Bastille erstürmt, und Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sollen von nun an die Basis der französischen Gesellschaft sein. Es werden nicht allein das feudalistische Herrschaftssytem unter reger Nutzung der Guillotine abgeschafft und Schlösser und Klöster zerstört. Wie in ganz Frankreich sind die Veränderungen in der Bretagne in allen Lebensbereichen drastisch. Auch die bretonische Sprache wird verboten, selbst die Bezeichnung "Bretagne" verschwindet von den Landkarten und wird durch eine Aufteilung in fünf Départements ersetzt und der zentralistischen Verwaltung direkt unterstellt (mit der Gebietsreform von1964 scheidet das Département Loire-Atlantique aus der Region der Bretagne aus, es bilden nun die 4 aktuellen Départements die Region, vgl. Lage der Bretagne). Aus Abteien können Pulverfabriken werden (vgl. Abbaye de Beauport), und selbst an kleinen Dorfkirchen wie der Kirche Kernitron in Lanmeur werden auch heute noch sichtbar Herrschaftssymbole wie Familienwappen des Adels abgeschlagen.

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