Bretagne-Tipp

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Blumenkohl Krieg

Ein Bretagne-Still-Leben? Ein Besuch auf einem Bretagne-Großmarkt? Nein: Bauernprotest in Lanmeur an der Nordküste der Bretagne. Im Ortskern von Lanmeur entlud sich am 29.10.2004 nicht nur der Bauernzorn, es ergoss sich auch eine Blumenkohl-Flut über den Ort.

Bretagne Exportschlager Blumenkohl

So auch über das Gelände des Super-U, einem Supermarkt mit Tankstelle einer der führenden Lebensmittel-Ketten in der Bretagne. Am nächsten Morgen ist das Meiste schon entsorgt, lediglich an der Tankstelle besteht noch Aufräum-Bedarf.

Bretonen sind streikbewusste Franzosen

Bretonische Bauern lassen Blumenköpfe rollen

Ungefähr 500 Tonnen Blumenkohl wurden am Abend des 29.10.2004 in verschiedenen Orten des Nord-Finistère auf die Straßen gekippt. Die niedrigen Absatz-Preise für Blumenkohl hatten die Wut der bretonischen Gemüse-Anbauer entfacht (Quelle: Ouest France, 30-31 octobre 2004).

Massive Bauern-Aktionen sind in der Bretagne (wie in ganz Frankreich, man denke an José Bové) keine Seltenheit, und sie haben Tradition. Blumenkohl-Köpfe rollten bereits einige Jahre zuvor aus Protest gegen die Brüsseler Agrar-Politik, sogar Bahnhöfe wurden damals von aufgebrachten Bretonen besetzt und Protest-Feuer auf Bahngleisen entfacht. Im Jahre 2000 waren Bauern der Bretagne maßgeblich an den Aktionen im "Diesel-Streit" beteiligt, 1960/61 wehrten sich zahlreiche Bauern im Finistère im "Artischocken-Krieg" gegen die Gemüsehändler.

Der Sozialist und spätere französische Staatspräsident François Mitterrand beschrieb es 1973 in Morlaix so: "Die Bretonen sind großartig. Wenn ich am Montag meine Zeitung aufschlage, sehe ich, dass sie Artischocken in den Hof der Unterpräfektur schütten, am Dienstag sind es zur Abwechselung Kartoffeln, am Mittwoch versperren sie Straßen, am Donnerstag gehen Fensterscheiben zu Bruch, am Freitag blockieren sie die Avenue de l'Opéra [Prachtstraße in Paris] und buhen den Finanzminister aus, am Samstag weiß ich nicht, was sie machen, und am Sonntag wählen sie die Regierung" (1). Ob wohl die Protestler mit den damaligen regierungsfreundlichen Bretonen identisch waren? Zumindest hätte bei der Präsidentschaftswahl 2007 die Sozialistin Ségolène Royal über den Konservativen Nicolas Sarkozy triumphiert, wenn es allein nach dem Willen der bretonischen Wähler gegangen wäre.

Die "Tradition" der Bauernproteste lässt sich vermutlich bis zur französischen Revolution zurück verfolgen, die von Bauern-Erhebungen in der Bretagne begleitet wurde - zunächst für, dann gegen die französische Revolution. Und davor gab es im Jahre 1675 in der Bretagne den Aufstand von 20.000 Bauern, die gegen die Steuererhebungen des französischen Staates revoltierten, sich zu einer Armee der Rotmützen formierten und Schlösser, Kirchen und Klöster plünderten (vgl. Bretagne Geschichte). Und möglicherweise gab es auch unter den bekannten wehrhaften Galliern in der Bretagne selbstsichere Bauern.

Aber es sind nicht nur die Bauern. Im Mai 2008 erzürnen die ja auch bei uns drastischen Dieselpreiserhöhungen die Fischer in ganz Frankreich. Auch in der Bretagne kommt es zu massiven Protesten. Ohnehin befinden sich gerade die Küstenfischer der Bretagne in einem permanenten Existenzkampf, für dessen Ausgang die Treibstoffkosten ausschlaggebend sein könnten. Mit spektakulären Aktionen wie einer Blockade der durch die Bretagne führenden Nationalstraße N12 machen Sie Hand in Hand mit den Gemüsebauern auf Ihre Lage aufmerksam. Und diesmal werden - saisonbedingt - keine Blumenkohlköpfe eingesetzt, sondern reichlich Tomaten.

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