Heilige Quellen der Bretagne
| Einführung | Der Brunnen des St-Efflam | Die heiligen Quellen des St-Ivy |
Gar finster und mystisch schildert der römische Dichter Lucanus (39-65 n.Chr.) einen keltischen heiligen Hain mit Quellen: " Da stand ein Hain, seit Menschengedenken niemals entweiht. Mit verschränkten Zweigen bildete er einen Bereich voller Dunkelheit und Schatten, dessen Kuppel nie von den Strahlen der Sonne durchbrochen wurde. [...] Die Altäre waren mit grässlichen Schlachtbänken versehen und die Bäume von menschlichem Blut befleckt. [...] Dazu ergoss sich überall Wasser aus dunklen Quellen, und düster standen, ohne Kunst und roh aus Holz gehauen, Götterbilder da, geisterhaft vermodert ..." (Lucanus 3, 400-425, vgl. Ade/Willmy, S. 163 und Cunliffe, S 88).

"In diesen Brunnen legt man die Wickeltücher der Neugeborenen. Wenn die Tücher
versinken, ist es dem Kind versagt zu leben. Wenn sie schwimmen, wird das Kind leben".
Postkarte von ca. 1900 entnommen aus: Spoerri/Plessen, S. 221
Besonders wenn der Ort einer Heilgottheit geweiht war, lag nahe des Tempels auch eine heilige Quelle, die beispielsweise als Heilquelle oder Orakelquelle verehrt wurde (siehe Birkhan, S.778). Auch Feste fanden an heiligen Quellen statt. Zahlreiche Zeugnisse belegen die Quellverehrung und damit verbundene Quellkulte der Kelten, deren Wasserkulte aber auch Moore, Teiche, Tümpel und Flüsse einbezogen. Wenn die Quellgottheiten durch Opfergaben günstig gestimmt wurden, so konnten sich die Menschen die Heilkraft oder andere positiven Eigenschaften der heiligen Quellen nutzbar machen. Das aus dem Boden dringende Wasser brachten die Kelten mit weiblichen Quellgottheiten in Verbindung, in Einklang mit ihrer Erdmuttergöttin als Verkörperung der Zeugung und Fruchtbarkeit. "Wie lebendig diese Tradition bis ins Mittelalter, ja bis in die Neuzeit hinein geblieben ist, beweist die rasche Übertragung christlicher Vorstellungen auf Quellen und Teiche, die - wie etwa in Lourdes - nahezu ausnahmslos mit weiblichen Heiligen in Verbindung gebracht werden" (Cunliffe, S. 89). In der Bretagne findet man allerdings mehrheitlich männliche, in Verbindung mit den dortigen heiligen Quellen gebrachte Heilige. Dies mag an der speziellen Form der Christianisierung der Bretagne liegen, die ab dem 5.Jh. n.Chr. durch bereits christianisierte Kelten aus Britannien erfolgte. Deren Führer, aber auch besondere Mönche und Eremiten unter den Einwanderern wurden zu von den Bretonen verehrten Heiligen (vgl. Kelten und Heilige).
In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts dokumentierte der Künstler Daniel Spoerri viele heilige Quellen der Bretagne und die Überlieferungen der mit diesen Orten verbundenen Rituale sowie den ihnen nachgesagten Wirkungen. Es entstand seine "bretonische Hausapotheke", in welcher er Proben von 117 heiligen Quellen aufbewahrte, und er veröffentlichte auch die Ergebnisse seiner Nachforschungen in der Bretagne. Daniel Spoerris Ausstellung zu den heiligen Quellen der Bretagne mit seiner bretonischen Hausapotheke war beispielsweise im Jahre 2004 im Museum Morlaix zu sehen. Spoerri war fasziniert, dass "in der Bretagne seit vorchristlicher, ja sogar vorkeltischer Zeit so viel Glauben in so vielen verschieden differenzierten Variationen in gewöhnliches Quellwasser investiert wurde. In der Tat ist kaum eines dieser Wasser im klinisch therapeutischen Sinn ... als Heilquelle zu bezeichnen". Und er bezweifelt, dass "es sonstwo eine Gegend gibt, die so intensiv den Wasserkult als Medium des Heiligen und Heilenden belegt" (Spoerri/Plessen 1977).
Die heilende Kraft geht auch gar nicht vom Quellwasser selbst aus: Fast immer sind die Quellen einem oder auch mehreren meist nur in einem kleinen Umkreis verehrten bretonischen Lokalheiligen zugeordnet. Diese können über das Medium des Wassers je nach ihren Fähigkeiten wirken, sei es, dass sie Kranke heilen, ein Vorhaben günstig beeinflussen oder als Orakel bei Befragungen Auskunft über Vergangenheit und Zukunft geben (vgl. die heiligen Quellen des St-Efflam oder St-Ivy). Und das mit einem gewissen Berufsrisiko: Wenn die gewünschte oder vorhergesagte Wirkung ausblieb, so konnte es geschehen, dass der Heilige verhöhnt oder sogar geschlagen wurde. Da verhalten sich die Fischer von Tréboul (Douarnenez) noch sehr gemäßigt, wenn sie nach einem schlechten Fang ihren Saint Pierre mit dem Gesicht zur Wand drehen.
|
Literatur: |
Barry Cunliffe: Die Kelten
und ihre Geschichte. Bergisch-Gladbach 1996 |
Die Welt der Kelten
|
Die keltische Schwester |
Die Weisheit der Kelten |
Von Göttern und Helden |
Der große historische Atlas der Kelten |
Die Welt der Kelten |
Die Kelten 1+2 |
Bretagne-Informationen
| Startseite | Lage | Anreise | Gezeiten | Klima und Wetter | Megalith-Kultur | Kelten und Heilige | Könige, Zauberer und Feen | Umfriedete Pfarrbezirke | Burgen und Schlösser | Wohnen früher | Bretonische Sprache | Blumenkohl-Krieg | Essen und Trinken | Austern | Coquille Saint-Jacques | Natur und Umwelt | Inseln | Wandern | Wassersport | Volkssport Pétanque | Tourismus und Sehenswürdigkeiten | Veranstaltungen | Nacht der Würstchen |
|
Ferienhaus-Bretagne-Urlaub Impressum Kontakt © Copyright Wolfgang Wendroth 2002-2011 |