Bretagne-Fischerei: Die Austern-Karawane von Cancale

Die für unerschöpflich gehaltenen Austern-Bestände von Cancale an der Bretagne-Nordküste drohten durch die seit dem 18. Jahrhundert hemmungslose Ausbeutung völlig zu versiegen. Dem begegnete man mit sehr strengen zeitlichen Begrenzungen der Austern-Fischerei. Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis 1929 war die Austern-Fischerei auf eine von der Fischerei-Behörde überwachte kurze Periode im März und April beschränkt (vgl. die aktuellen zeitlichen Begrenzungen bei der Fischerei der Jakobs-Muscheln in der Nord-Bretagne).

Bretagne-Austern: Die Abfahrt der Karawane von Cancale (Bild 1) und Fischer der Bretagne mit Schleppnetzen (Bild 2).
Mauspfeil auf Bild: Fischer mit ihren "dragues"

Dies war die Zeit der "caravane de Pâques" (Oster-Karawane) von Cancale in der Nord-Bretagne. Die Besatzungen von ca. 200 "bisquines" (kleine für Cancale typische Zweimaster) starteten gleichzeitig aus dem Hafen von Cancale zu den Austern-Bänken und lieferten sich dabei bisweilen wilde Rennen. Ziel war es, die reichsten Austern-Vorkommen als Erster zu erreichen, um dort mit jeweils drei "dragues" (Schleppnetzen) pro Boot die Austern vom Meeresgrund zu schöpfen.

Bretagne-Austern: Die Rückkehr der Karawane von Cancale.

Und dann kehrte die Karawane mit dem auflaufenden Wasser der Flut zurück. Unter den Augen der in Festtags-Stimmung Wartenden liefen die Boote in den Hafen ein, wo die Fischer ihre Austern-Ernte einfach über Bord warfen.

Bretagne-Austern: Das Sortieren der Austern im Hafen von Cancale.

Auf den ersten Blick scheinbar sinnlos, stand diese Handlung im Einklang mit den Naturgesetzlichkeiten der Gezeiten, die gerade hier in der Bucht des Mont-Saint-Michel besonders stark in Erscheinung treten: Bei Ebbe tauchten überall im Hafenbecken große Austern-Haufen aus dem Wasser auf,...

Bretagne-Austern: Das Sortieren der Austern im Hafen von Cancale.

... und es begann dann für die Frauen und Kinder die "triage", das Sortieren der Austern.

Bretagne-Cancale: Bisquines mit Renn-Takelage.

Und wenn sich Cancale mit den Bretagne-Nachbarn aus Granville und Saint-Malo im sportlichen Wettkampf maß, dann gab es für die Bisquines besondere Regatta-Takelagen, mit welchen die Segel-Bestückung der Boote enorm erweitert wurde. Und etliche Männer waren zusätzlich an Bord, um bei Bedarf mit 50 kg schweren Sandsäcken die Bootsneigung so auszugleichen, dass kein Wasser in den Laderaum floss.

Fotos aus der Gegenwart: Die Bisquine Cancalaise und die Bisquine Granvillaise

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