Megalithkultur in der Bretagne: Der Menhir von St. Uzec bei Pleumeur-Boudou
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Der 6 m hohe Koloss wurde im 17. Jh. christianisiert.

Er ist u.a. mit der Darstellung von Marterwerkzeugen der Passion Christi versehen.

Die Rückseite des Menhirs weist merkwürdige Längsfalten auf, wohl eine Laune der Verwitterung, die aber Anlass für manche Interpretation bietet.

So behaupten die Alten, dass das Blut des auf dem Menhir dargestellten gekreuzigten Christus hinunter geflossen ist und die Furchen gegraben hat. Und auch das merkwürdige Loch, das man in ca. 1,5 m Höhe rechts auf der Rückseite sehen kann und die beiden leichten Vertiefungen darüber und darunter, werden gedeutet: Die Jungfrau Maria hätte den Stein hierher gebracht, damit die Marterwerkzeuge der Passion ihres Sohns hier dargestellt werden konnten. Dabei hat sie in dem schweren Stein, der weit in die Erde hineinragen soll, die Abdrücke ihres Kopfes und ihrer Schultern hinterlassen. Aber, wie es oft im Reich der mündlichen Überlieferungen und Erzählungen ist, gibt es auch eine nichtchristliche Deutung. Demnach seinen die besagten Vertiefungen die Fingerabdrücke einer Riesin, einer "grwrac´h" (bretonisch), die diesen Stein von der nahe gelegenen Île Grande zum Gipfel des Méné Bré (ein bemerkenswerter, 50 km entfernter kleiner Berg von 300 m Höhe bei Louargat) bringen wollte. Aber als sie ihn die Küste hinauf geschleppt hatte, verließen sie die Kräfte und sie ließ den Koloss einfach fallen. Ein vorbeikommender Mann sagte ihr, dass sie den Stein doch wenigstens noch aufrichten solle. Unter Aufbietung all ihrer Kräft nahm sie den Stein wieder auf die Schultern, brachte ihn zur jetzigen Stelle und hat ihn da so tief in die Erde gerammt, dass er heute noch dort steht.
Während der französischen Revolution versammelten sich die Gläubigen nachts rund um den Menhir, um zu beten und die heiligen Sakramente zu empfangen. Auch Riten ranken sich um den Menhir. Mütter, deren Kinder zur angemessenen Zeit noch nicht laufen konnten, kamen drei Freitage nacheinander zum Menhir und umrundeten ihn mit ihren Kindern auf dem Arm jeweils dreimal. Sicherlich wurde dieses Prinzip des Erbittens durch umrunden des Menhirs auch noch für andere Wünsche gepflegt. Zumindest soll auf alten Postkarten ein stark vertiefter Weg rund um den Menhir sichtbar sein.
Quelle: Daniel Giraudon: Le Menhir de Saint-Uzec. Artikel in der Wochenzeitung
"le trégor" vom 9.7.2009
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