Bretagne-Tipp

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Vom 2. Weltkrieg bis heute

Heute trifft man bei Wanderungen an der Bretagne-Küste noch an vielen Stellen auf Reste von Bunkern und Geschützstellungen aus der deutschen Besatzungszeit während des zweiten Weltkriegs. Und überall in der Bretagne sind Details aus dieser Zeit gegenwärtig und dringen oft unverhofft ins Bewusstsein des Bretagne-Reisenden. So erinnert beispielsweise der "Place des Otages" (Platz der Geiseln) in Morlaix an die Hinrichtung bretonischer Geiseln, und auf dem Küstenwanderweg bei Plougasnou nahe der Pointe de Primel gemahnt eine Stele an die dortige Erschießung von bretonischen Widerstandskämpfern am 5. Juli 1944.

Bretagne-Geschichte: Geschützstellung an der Pointe de Primel an der Nordküste der Bretagne aus dem 2. Weltkrieg.

Bretagne-Geschichte: Die Steele am Küstenwanderweg bei Plougasnou gemahnt an die Hinrichtung von vier Franzosen durch die Deutschen am 5. Juli 1944 an dieser Stelle.

Das Museum "Musée de la Résistance Bretonne" zeigt eine permanente Ausstellung zum zweiten Weltkrieg und zum Widerstand in der Bretagne. Aber es gibt auch noch Zeitzeugen: Francis, ein bretonischer Bauer und Zeitzeuge, weiß hautnah zu berichten, wie er am Strand von St-Efflam arbeiten musste (auch mehr als 65 Jahre danach kann er das deutsche Wort "arbeiten" gut aussprechen), wie er mit seinem Pferdefuhrwerk in Lannion Material holen und zu Fuß nebenhergehen musste, wie er zur Kommandantur kommen musste, weil er ohne Ausweis angetroffen wurde, oder wie er einem Kumpel, der sich dort gut auskannte, vom Strand aus als Abkürzung auf dem Schritt durch ein Minenfeld folgte (auch das Wort "Minen" spricht er deutsch aus) und wie er sich dabei fühlte. "Mais c´est passé" (aber das ist vorbei) sagt er, und bedauert in diesem Zusammenhang, dass nicht die ganze Welt eine einheitliche Sprache spricht. Man würde sich dann doch viel besser verstehen.

Im Verlauf des Westfeldzugs fällt die Bretagne im Juni 1940 fast kampflos an die Deutschen, die nach der Niederlage Frankreichs das Land in zwei Zonen teilen und den Norden und Westen Frankreichs einschließlich der Bretagne besetzen. An der gesamten Atlantikküste und am Ärmelkanal wird an einem "Atlantikwall" gearbeitet, und die Hafenstädte werden zu Festungen ausgebaut. In der Bretagne sind dies St-Malo, Brest, Lorient und St-Nazaire. Sie werden von den Alliierten bereits während der deutschen Besatzung ständig aus der Luft angegriffen und schwer bombardiert.

Brest im August 1945
Hafen von Brest im August 1945; Quelle: Wikimedia commons

Nach der Landung der Alliierten in der Normandie 1944 und ihrem Vorrücken in die Bretagne sind St-Malo und Brest hart umkämpft und versinken endgültig in Schutt und Asche. Im bereits 1943 verwüsteten Lorient werden durch die bis zum Kriegsende 1945 dauernde Belagerung die Verluste geringer gehalten. Nach dem Krieg erfolgt der Wiederaufbau von St-Malo gemäß alten Plänen und Abbildungen möglichst originalgetreu, während Brest, Lorient und St-Nazaire von ihrer historischen Bausubstanz wenig behalten und nun einen vollständig anderen, modernen Charakter haben.

Die Bretagne heute

Der französische Staat fördert ab 1951 verstärkt die Wirtschaftskraft der Bretagne (vgl. auch Telekommunikation und Bretagne). In geringem Maße kann Industrie in der Bretagne angesiedelt oder ausgebaut werden, aber die Bretagne bleibt eine Fischerei- und Agrarregion, heute sogar in beiden Bereichen die größte Frankreichs (vgl. Landwirtschaft und Fischerei in der Bretagne). Ab 1968 werden die Straßennetze ausgebaut. Die größeren bretonischen Städte sind mittlerweile alle durch mehrspurige Nationalstraßen verbunden, neben der Anreise in die Bretagne über Paris ist nun auch der Weg über die Normandie bequemer geworden, nachdem in den letzten Jahren nahezu die gesamte Strecke als Autobahn oder mehrspurige Nationalstraße ausgebaut worden ist (vgl. Anreise in die Bretagne). Heute fährt der TGV von Paris zu Städten der Bretagne (z.B. Paris-Brest), England ist über mehrere Fährverbindungen mit Hafenstädten der Bretagne verbunden (z.B. mit Roscoff). Damit ist die Infrastruktur geschaffen, die dazu beiträgt, dass die Bretagne die zweitwichtigste Fremdenverkehrsregion Frankreichs ist (→ Bretagne Tourismus).

Ein schwarzes Band, das sich bei Ebbe sichtbar auf den Felsen an der Küste der Bretagne entlang schlängelt (siehe Foto), könnte die Frage aufwerfen, ob dieses mit den Tankerkunglücken der jüngeren Vergangenheit in Verbindung steht. Es waren 1978 der Öltanker Amoco Cadiz und 1999 die Erika, die an der Küste der Bretagne gewaltige Umweltkatastrophen auslösten. Und tagtäglich lauert die Gefahr der nächsten Havarie eines Öltankers, gehört doch der Ärmelkanal zu den meist befahrenen Schifffahrtswegen der Welt. Und warum sollten nicht auch heute Öltanker mit technischen Mängeln weiterfahren, wie es damals die Erika sogar mit Kenntnis ihres Betreibers tat (vgl. Gerichtsurteil Erika). Die sichtbaren schwarzen Spuren sind allerdings natürlichen Ursprungs, es sind schwarze Flechten, und es gibt an der Grenze zwischen Meer und Festland auch noch ein gelbes Flechtenband (siehe Foto). Was aber nicht darauf hindeuten soll, dass die größtenteils agrarwirtschaftlich geprägte Bretagne gänzlich frei von Umweltproblemen ist (vgl. Natur und Umwelt der Bretagne).

Der bereits weiter oben erwähnte Francis weiß zu berichten, dass es den Schülern in der Schule bei Strafe verboten war Bretonisch zu sprechen (100 mal "ich darf nicht Bretonisch sprechen" schreiben zu müssen war eine beliebte Maßnahme, aber auch von härteren Strafen ist die Rede). Dies geschieht in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts und geht auf die Einführung der allgemeinen Schulpflicht am Ende des 19. Jh. zurück, in deren Folge alle Regionalsprachen systematisch unterdrückt werden. 1951 erkennt der französische Staat die Regionalsprachen an (vgl. Bretonischen Sprache), und die bretonische Kultur mit ihrem keltischen Ursprung ist heute immer noch tief in der Gesellschaft der Bretagne verankert (vgl. z.B. Fest-Noz) und von einer faszinierenden Kraft und Lebendigkeit.