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Korsaren der Bretagne

Bretagne damals

Korsaren, das sind Piraten, Seeräuber, Freibeuter. Drei häufig gleichbedeutend verwendete Begriffe. Die Korsaren heben sich aber von ihren auf eigene Faust tätigen Kolleginnen und Kollegen ab: Sie handeln im Auftrag eines Staates, also legal, ausgerüstet mit einem Kaperbrief ("La lettre de course") und genauen Verträgen über die Anteile an der Beute. Und gar mancher konnte ein angesehenes Leben in wirtschaftlicher Unabhängigkeit mit einem tollen Eigenheim führen.

Die Liste der berühmten französischen Korsaren-Kapitäne ist lang, sie beginnt vielleicht mit der um 1300 geborenen "Tigerin der Bretagne" Jeanne de Belleville und endet mit dem letzten bekannten französischen Korsaren, dem "baskischen Fuchs" Étienne Pellot (1765-1856). Viele Korsaren stammen aus der Bretagne. So z.B. aus Morlaix und seiner Umgebung der "König der Meere" Jean Coatanlem (ca. 1455-1492), der seine Karriere in den Gewässern der Bretagne begann (siehe hier), oder Charles Cornic (1731-1809), Seefahrer und Korsar, später im Dienst der königlichen Marine.

Zwei besonders schillernde Gestalten hat St-Malo in der Bretagne hervorgebracht: René Duguay-Trouin und Robert Surcouf. Ihr Werdegang wird im Folgenden etwas genauer beschrieben. Aber auch z.B. in Roscoff zeugen wunderschöne, alte Granitsteinhäuser davon, dass man als Korsar durchaus in angenehmer Umgebung wohnen konnte (vgl. auch Bretagne Geschichte; speziell Zeiten des Wohlstands).

René Duguay-Trouin, Korsar aus Saint-Malo an der Bretagne-Nordküste
René Duguay-Trouin aus St-Malo, Bretagne, public domain

René Duguay-Trouin (1673-1736) war Korsar und Marineoffizier. Er wurde als Sohn eines reichen Reeders in Saint-Malo in der Nord-Bretagne geboren. 1689 wurde er Seemann und zeichnete sich durch seine erfolgreiche Führung von Kaperschiffen aus, als Frankreich während des Pfälzischen Erbfolgekriegs auch zur See gegen England und seine Verbündeten Spanien und Holland kämpfte. Insbesondere im Ärmelkanal, aber auch in Westindien und bei Neufundland fanden die Auseinandersetzungen statt, und Duguay-Trouin war mit daran beteiligt, dass französische Kaperkapitäne zwischen 1692 und 1697 über 4000 Schiffe erbeuteten. Übrigens war an diesen Erfolgen der Korsar Jean Bart maßgeblich beteiligt, der zwar aus Flandern stammte und somit kein Sohn der Bretagne war, aber dennoch (mindestens) ein Mal in Saint-Malo war: Er wurde 1689 bei einem Gefecht zur See von den Engländern gefangen genommen, konnte aber bald darauf aus dem Hafen von Plymouth fliehen. Nach drei Tagen Rudern erreichte er in einem gestohlenen Boot mit 21 Gefährten die Nordküste der Bretagne - in Saint-Malo. Ob dies wohl René Duguay-Trouin zu seiner Karriere als Korsar anregte (man betrachte einmal die Jahreszahlen)?

Im Kampf gegen englische Schiffe wurde René Duguay-Trouin im Jahr 1694 verwundet und gefangen genommen, aber durch die Liebe einer jungen Engländerin befreit! Die Zeit strotzt wohl nur so vor Stoff für Abenteuer-Filme. Drei Jahre später wurde er Fregattenkapitän der französischen Flotte, kaperte kräftigst weiter und eroberte 1711 sogar Rio de Janeiro. Dafür geadelt verlief seine Karriere noch bis zum Generalleutnant und Mitglied des Staatsrats. 1736 starb er in Paris.

Standbild des Korsaren Robert Surcouf in Saint-Malo an der Bretagne-Nordküste
Standbild von Robert Surcouf in St-Malo, Bretagne, public domain

Robert Surcouf (1773-1827) aus Saint-Malo an der Bretagne-Nordküste war Korsar in Diensten Napoleons. Zu seinen Vorfahren zählten mehrere französische Korsaren. Gleichwohl besuchte er erst ein Priesterseminar, meldete sich dann aber mit 15 Jahren freiwillig zur Kriegsmarine. Mit 18 Jahren zum Leutnant ernannt, trat Surcouf aber im Jahr darauf aus dem Militärdienst aus. In der damals französischen Kronkolonie Mauritius östlich von Madagaskar nahm er am Kampf gegen die Engländer teil und begann seine Karriere als Kaperfahrer. Innerhalb von etwas mehr als 4 Jahren kaperte der Bretone 47 englische Schiffe, und die Briten setzten eine Kopfprämie von fünf Millionen Franc auf ihn aus. Ein Höhepunkt seiner Karriere war, den Indienfahrer „Kent“ der britischen Ostindischen Kompanie zu kapern (siehe Abbildung). Mit 36 Jahren konnte er in den Ruhestand gehen, erhielt für seine Verdienste eine "Leibrente" und ließ sich endgültig in Saint-Malo in der Nord-Bretagne nieder. Auch heute noch ist Surcouf nicht nur in der Bretagne präsent: Eine 1997 in Dienst gestellte französische Fregatte trägt seinen Namen. 1934 war bereits das weltweit größte U-Boot nach ihm benannt worden, der Name aber wieder frei geworden.

Robert Surcouf, Korsar aus Saint-Malo an der Bretagne-Nordküste Die Kaperung der Kent durch Robert Surcouf, Korsar aus Saint-Malo an der Bretagne-Nordküste (Gemälde von Ambroise-Louis Garnerey).Garnerey).
Robert Surcouf und die Kaperung der "Kent", public domain

Quellen: Wikipedia und Wikimedia Commons