Das Problem mit den Grünalgen in der Bretagne

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Mit den Suchbegriffen "Bretagne Algen" findet man seitenweise abschreckende Überschriften über Grünalgen. Bis vor wenigen Jahren in der Bretagne eher nur als Plage angesehen, sind diese völlig harmlosen Algen in die Schlagzeilen der Medien geraten, deren reißerische Berichterstattung viele Bretagne-Urlauber stark verunsichert. Was ist dran an der Gefahr, der man sich anscheinend aussetzt, wenn man die Bretagne bereist? Wie können diese ungiftigen, wegen ihres Reichtums an Vitaminen, Magnesium und Kalzium als Nahrungsmittel geschätzten Grünalgen (vgl. Bretagne Algen Nutzung) überhaupt gefährlich sein?

Algen in der Bretagne: Frische und an der Oberfläche getrocknete Grünalgen.
Algen in der Bretagne: Angeschwemmte frische und ältere, an der Oberfläche getrocknete Grünalgen (Quelle: Wikimedia commons)

Jedes organische Material verfault, wenn es von der Luft abgeschlossen wird - die Biogasgewinnung nutzt solche natürlichen Prozesse technisch. Bei dieser organischen Zersetzung entsteht ein Gasgemisch, das neben vielen anderen Substanzen auch den giftigen Schwefelwasserstoff enthält, erkennbar an dem typischen Geruch nach faulen Eiern. Schwefelwasserstoff ist in geringerer Konzentration unmittelbar wahrzunehmen, betäubt aber ab einer gewissen Konzentration den Geruchssinn. Und bei einer sehr hohen Konzentration kann eingeatmeter Schwefelwasserstoff im Extremfall sogar tödlich sein. Da Schwefelwasserstoff schwerer als Luft ist, bleibt er eher in Bodennähe.

Auch Grünalgen können verfaulen, wenn sie in entsprechenden Mengen an Land geschwemmt werden. Anders als bei anderen Algenarten verwandeln sich dicke Ablagerungen dieser besonders zarten und weichen Algen schnell in eine matschige, faulende Masse (siehe Bretagne Algenplage). Und länger am Strand liegende Ansammlungen von Grünalgen bleiben nicht grün, sondern trocknen an der Oberfläche. Sie sind dann von einer zwar dünnen, aber festen grauen Algenschicht überzogen, wie es das Foto oben auf dieser Seite zeigt. Unter dieser festen Hülle gärt der Algenmatsch weiter, und die dabei erzeugten Gase können nicht entweichen. Tritt man auf solch einen Teppich, so durchbricht man mühelos die trockene Oberfläche, und das entstehende Loch gibt die angesammelten Gase frei. Und wo Bäche ins Meer münden, können sich unter einer dünneren Grünalgen-Schicht durchaus noch dickere Ablagerungsschichten aus mit Sand gemischten, faulenden Algen befinden. Eine Untersuchung zeigte, dass dort unter Umständen auch gefährliche Konzentrationen an Schwefelwasserstoff auftreten können (siehe Untersuchung Grünalgen). Meiden Sie großflächige, dicke Algenteppiche, egal ob grün oder grau (siehe Foto oben), ebenso Bach- und Schmutzwasserzuläufe, die von Grünalgen umgeben sind. Wenn sich an felsigen und steinigen Strandabschnitten in der Gezeitenzone abgestorbene Grünalgen in größerer Menge befinden (dicke, gut zu erkennende Ansammlungen), so sollten Sie sich auch dort nicht aufhalten.

Aber keine Panik!!! Grünalgen kommen überall auf der Welt vor, nicht nur in der Bretagne. Sie selbst sind völlig ungefährlich. Es geht von ihnen keinerlei Gefahr aus, wenn Sie ihnen im Wasser begegnen oder wenn Grünalgen frisch an den Strand geschwemmt werden. Dies wird auch daran deutlich, dass von der Algenplage betroffene Strände eine durchaus vergleichbar gute Wasserqualität aufweisen wie die nicht davon betroffenen (vgl. Wasserqualität Strände Bretagne). Auch ältere, dünne Grünalgenschichten, die an Land in der Sonne durchgehend trocknen, sind völlig ungefährlich, ebenso wie die anderen Algenarten, die nicht solch eine luftabgeschlossene, matschige Salatmasse bilden können. Und ist die faulende Menge gering, so sind die Grünalgen höchstens lästig, wenn man sie riecht oder durch ihren Matsch hindurchwatet.

Und die Bretagne selbst brauchen Sie wegen der Grünalgen überhaupt nicht zu meiden. Ein Risiko, als Bretagne-Urlauber durch die Grünalgen gefährdet zu werden, ist praktisch nicht gegeben (vgl. Bretagne Algen: Eine Gefahr?). Wenn es Ansammlungen von abgestorbenen Grünalgen geben sollte, von denen möglicherweise eine Gefahr ausgeht, so sind diese gut zu erkennen. Es reicht aus, diese Ansammlungen zu meiden. An Stränden werden Sie während Ihres Bretagne-Urlaubs solche Stellen vermutlich kein einziges Mal erleben, die Gemeinden halten alle Strände zuverlässig sauber. Kein Strand darf für die Öffentlichkeit freigegeben werden, wenn er nicht innerhalb von 24 Stunden von Grünalgen gesäubert werden kann. Nur in absoluten Ausnahmefällen werden Sie erleben, dass eine Gemeinde dies nicht leisten kann und ein Strand zeitweise gesperrt werden muss (siehe Bretagne Algenplage aktuell).

Außerdem gibt es als Alternative an allen Küstenabschnitten der Bretagne hunderte von Stränden, die frei von Grünalgen sind oder wo die Grünalgen in einem völlig normalen Ausmaß auftreten. Ganz los wird niemand diese Algen, sie sind überall auf der Welt anzutreffen, auch in den Binnengewässern Deutschlands oder an der Nordsee - und nicht nur in der Bretagne (vgl. die kommentierte Bilderserie von n-tv: Die Algen können mehr).

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