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Die Islandfischer

Bretagne damals

83 Jahre lang währte die Zeit der Islandfischer (Pêcheurs d'Islande) in Paimpol an der Nordküste der Bretagne. Die Fahrten in die Fanggebiete Islands begannen 1852, erreichten ihren Höhepunkt 1895, als die Stadt 82 Goëlettes unterhielt, und wurden 1935 eingestellt. In dieser Zeitspanne kehrten mehr als 100 Schiffe und 2000 Seeleute nicht mehr in die Bretagne zurück.


Bretagne-Fischerei: Die Islandfischer aus Paimpol.
Alte Postkarte mit einer Goëlette (Zweimaster) vor einem Neufundländer (Dreimaster)
im Hafen von Paimpol an der Nordküste der Bretagne.

Der Zweck der Fahrten war der Kabeljaufang, und die Reisen waren lang und entbehrungsreich. Alljährlich am zweiten Sonntag im Februar fand die große Prozession der Islandfahrer statt. Anschließend stachen die Schiffe in See, um in acht bis vierzehn Tagen von der Bretagne bis zum Süden Islands zu segeln. Bis Ende August fingen die Mannschaften in den nördlichen Gewässern den Kabeljau mit Leinen und Haken, die Fischer kehrten im September nach sieben Monaten Abwesenheit von ihren Familien in die Bretagne zurück. Und unterwegs in den eisigen Gewässern nahe dem Polarkreis waren die Strapazen gewaltig, waren die Seeleute ständig den härtesten Wetterbedingungen ausgesetzt. Unwetter und Nebel wechselten sich ab, und noch im Juli konnte es schneien.

Bretagne-Fischerei: Islandfischer stechen auf ihren Goëlettes in See.
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Das Leben in der Bretagne um Paimpol herum war damals maßgeblich durch die "grande pêche" geprägt, die Fischerei in den fernen Gewässern vor Island oder Neufundland. Und so manche Familie verlor dadurch ihren Ernährer. So waren denn viele Heranwachsende gezwungen, als "graviers" (ins Deutsche vielleicht mit "Kieselsteine" übersetzt) auf Schiffen anzuheuern, um beispielsweise die Fische auszunehmen und zu konservieren. "Les petits graviers", ein Lied des Bretagne-Barden Théodore Botrel (1868-1925), schildert in eindrucksvoller Weise diese soziale Situation. Und seine "Paimpolaise" (2. Strophe siehe Postkarte oben) zählt zusammen mit dem Roman "Pêcheurs d'Islande" des französischen Marineoffiziers und Schriftstellers Pierre Loti über die Islandfischer der Nordküste der Bretagne zu den wesentlichsten Stimmungsbildern dieser bewegenden Zeit (vgl. Bretagne Literatur und Geschichte der Bretagne).